diabetes-world.net: Inhalatives Insulin – Effektive Blutzuckersenkung und Langzeit-Sicherheit

19.05.2005, 16 Uhr


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(press1) - 19. Mai 2005 - Seit etwa 80 Jahren, stellt die pulmonale Applikation aufgrund der großen Oberfläche und dem hohen Absorptionsvermögen der Lunge eine viel versprechende Alternative zur subkutanen Anwendung von Insulin dar. Im März 2004 wurde eine inhalative Form des Insulins bei der europäischen Zulassungsbehörde eingereicht. Die praktische Bedeutung dieser Anwendungsform sowie pneumologische Aspekte wurden aktuell anlässlich der 40. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft diskutiert.

"Die blutzuckersenkende Wirkung von inhalativem Insulin ist vergleichbar mit subkutan applizierten Normalinsulin" erklärt Professor Dr. Werner Scherbaum von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Der Wirkungseintritt sei allerdings vergleichbar mit dem kurzwirksamer Insulinanaloga, so Scherbaum. Dies ermöglicht das Auslassen eines Spritz-Ess-Abstandes.

In zahlreichen klinischen Studien wurden sowohl Patienten mit Typ 1- als auch Patienten mit Typ 2-Diabetes mit inhalativem Insulin behandelt. Die Studiendaten belegen unter anderem, dass Patienten mit Typ 1-Diabetes unter einer Therapie mit inhalativem Insulin eine geringere Gewichtszunahme als unter subkutanem Normalinsulin aufweisen. Ein weiterer Vorteil zeigte sich bei Typ 2-Diabetespatienten mit unzureichend eingestelltem Blutzuckerspiegel, denen zusätzlich zu den oralen Antidiabetika prandial inhalatives Insulin verabreicht wurde. Bei dieser Gruppe zeigte sich eine eindrucksvolle Verbesserung des HbA1c-Wertes um etwa 2,3 Prozent, während die Vergleichsgruppe ohne inhalatives Insulin praktisch unverändert blieb.

Scherbaum betonte außerdem die hohe Patientenakzeptanz von inhalativem Insulin und führt diese auf eine hohe Therapiezufriedenheit sowie die gesteigerte Lebensqualität zurück. Wahrscheinlich liegt das größte Potenzial der Behandlung mit inhalativem Insulin darin, dass damit der Umstieg auf eine rechtzeitige Insulintherapie beim Typ 2-Diabetes erleichtert wird. Dies könnte mit dazu beitragen, das Risiko von Folgeerkrankungen des Diabetes zu verringern und die damit verbundenen sehr hohen Kosten zur Behandlung der Spätkomplikationen zu vermeiden.

Aus pneumologischer Sicht, ist der Luftweg als Zugang für Medikamente zum menschlichen Organismus hervorragend etabliert, bestätigt Professor Dr. Claus Vogelmeier vom Klinikum der Philipps-Universität in Marburg. Die Lunge besitzt aufgrund ihrer großen Oberfläche ein enormes Potential als Resorptionsorgan für systemisch wirkende Arzneistoffe. "Untersuchungen haben gezeigt, dass die Lunge einen für Insulin gut durchlässigen Zugang ins Blut darstellt und keine zusätzlichen Hilfsstoffe (Enhancer) für eine Resorptionssteigerung notwenig sind", erklärte Dr. John Patton, wissenschaftlicher Leiter und Mitbegründer von Nektar Therapeutics. Weitere Vorteile des pulmonalen Applikationsweges sind die geringe Konzentration von Proteasen im Lungenepithel, das Fehlen der first-pass hepatischen Clearance und die gute Bioverfügbarkeit.

Die bislang in der Therapie von obstruktiven Lungenerkrankungen verwendeten Applikationssysteme (Devices) eignen sich allerdings nur in sehr eingeschränktem Maße, um Wirkstoffe in den Systemkreislauf zu bringen. Hierzu bedarf es weiterentwickelter Geräte, die ein Aerosol mit definierter Partikelgröße erzeugen, um die Arzneistoffe bis in die Alveolen zu transportieren. Ein Device, das diese Anforderungen erfüllt, ist der rein mechanische Inhalator, der von Pfizer und sanofi-aventis in Zusammenarbeit mit Nektar Inc. zur Applikation von Humaninsulin-Trockenpulver entwickelt wurde.

Vor dem Hintergrund, dass Diabetes mellitus generell zu einer Verschlechterung der Lungenfunktion führt, beziehen sich die Studien hinsichtlich der Sicherheit von inhalativem Insulin hauptsächlich auf die Atemwege. Klinische Studien haben nachgewiesen, dass inhalatives Insulin keine negativen Auswirkungen auf die Lungenfunktion hat. Die häufigste festgestellte Beeinträchtigung durch inhalatives Insulin bei Patienten mit Typ 1- und Typ 2-Diabetes äußert sich in einem milden Husten, der im Zeitablauf schwächer wird bzw. verschwindet.
Die bisherigen Studiendaten zeigen, dass inhalatives Insulin eine gut verträgliche und effektive Alternative zur subkutanen Applikation darstellt, die zudem über eine sehr hohe Patientenakzeptanz verfügt.

Quelle:
Kongressbericht zum Presse-Hintergrundgespräch, DDG-Tagung 2005 in Berlin


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