diabetes-world.net: Lippenherpes früh genug behandeln

27.07.2005, 16 Uhr


(press1) - News von http://www.diabetes-world.net

Von Dr. Katja Renner
In Kooperation mit der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA


Sonne, Stress, Ekel und ein geschwächtes Immunsystem - das sind die Risikofaktoren, die zum Ausbruch eines Lippenherpes führen können. Lippenherpes ist ein wichtiges Thema der Selbstmedikation. Nur wenige Betroffene gehen damit zum Arzt. Doch gerade bei schlecht eingestellten Diabetikern kann die eigentlich harmlose Erkrankung mit Komplikationen der Wundheilung einhergehen. Das A und O ist die frühzeitige Behandlung schon bei Auftreten der ersten Symptome.

Die Erkrankung
Die harmlos erscheinenden Lippenbläschen sind nicht nur ein kosmetisches Problem, sie sind Ausdruck von im Körper ruhenden Herpes-Viren. Die Familie der Herpes-Viren ist weltweit verbreitet. Neben den Menschen dienen auch Tiere als Wirte für die Erreger. Herpes-Viren sind DNA-Viren. Sie dringen bei der Erstinfektion in die Wirtszelle ein und setzen dort ihr genetisches Material und Enzyme frei. Nach Bildung viraler Proteine über die Transkriptionsmechanismen der Wirtszelle werden diese zu neuen Viruspartikeln zusammengebaut. Die Freisetzung der Viren geht mit dem Untergang der jeweiligen Wirtszelle einher. Man spricht hier von einer lytischen Virusinfektion. Der Virusbefall einer Zelle bedeutet jedoch nicht zwangsläufig den Ausbruch der Erkrankung. Die Virusnukleinsäuren werden bei einer latenten Infektion in das Genom der Wirtszelle eingebaut, ohne dass eine Vermehrung stattfindet. Bestimmte Auslöser, wie z. B. ein geschwächtes Immunsystem, UV-Strahlung etc. können zum späteren Ausbruch der Krankheit führen.

Unter den humanpathogenen Herpes-Viren treten die Herpes-Simplex-Viren (HSV) am häufigsten auf. Sie werden von Mensch zu Mensch über Tröpfchen- infektion, in seltenen Fällen auch über Hautverletzungen übertragen. Der Subtyp
- HSV1 ist derjenige, der für die Infektion der Lippen (Herpes labialis) verantwortlich ist,
während
- HSV2 den Herpes genitalis auslöst.

In der Latenzphase befindet sich der HSV1 bevorzugt im Trigeminusganglion. Etwa 90 % der Menschen tragen den Herpes-Virus in sich, doch nicht alle erkranken an ihm. Auslöser wie körperliche Anstrengung, Sonneneinstrahlung, Ekel, fieberhafte Infekte oder psychischer Stress verhelfen dem Lippenherpes zum Ausbruch. Die betroffenen Menschen klagen über häufig wiederkehrende Infektionen. Die Erkrankung betrifft meistens nur den Lippenbereich und heilt nach einigen Tagen wieder ab. Symptome wie Spannungsgefühl, Kribbeln und Jucken sind die ersten Anzeichen vor der Ausbildung der Lippenbläschen. Nach etwa ein bis zwei Tagen entstehen flüssigkeitsgefüllte Bläschen, die Lippe schwillt an. In diesem Stadium der Erkrankung ist der Kontakt mit anderen Personen, z. B. über Küssen hoch ansteckend. Die Infektion klingt ab, wenn die Bläschen aufgeplatzt sind und krustenartig abheilen.

Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten
Aciclovir
Leichte Formen des Lippenherpes können vom Patienten in der Selbstmedikation lokal behandelt werden. Dazu steht der Wirkstoff Aciclovir in Creme- oder Salbenform zur Verfügung. Entscheidend ist, dass die Behandlung schon beim ersten Spannungsgefühl und Kribbeln beginnen muss. Empfohlen wird eine vier- bis fünfmal tägliche Anwendung.
Aciclovir greift als Nukleosid-Analogon in die Neubildung der Virus-DNA ein. Nukleosid-Analoga unterscheiden sich von natürlichen Nukleosiden durch eine Veränderung der Zucker- oder der Basenkomponente. Aciclovir wirkt selektiv hemmend gegen virale Polymerasen und zeigt daher auch eine sehr geringe Toxizität. Aufgrund des Wirkungsmechanismus wird deutlich, dass eine Beschleunigung des Krankheitsverlaufs nur möglich ist, wenn Aciclovir noch in der Vermehrungsphase der Viren eingesetzt wird, nicht erst, wenn das Lippenbläschen bereits aufgeplatzt ist. Alternativ zu Aciclovir werden auch die Prodrugs Valaciclovir und Famciclovir in der Therapie verwendet. Diese verschreibungspflichtigen Wirkstoffe haben eine höhere Bioverfügbarkeit. Sie sollten etwa zwei- bis dreimal am Tag appliziert werden, versprechen damit also eine bessere Compliance des Patienten.

Melissenextrakt
Dem ätherischen Öl der Melisse werden ebenfalls virustatische Eigenschaften zugesprochen. Topische Zubereitungen aus Melissenextrakt haben einen heilungsfördernden Effekt auf die Lippenbläschen. Allerdings sollten diese Präparate etwa vier- bis fünfmal täglich aufgetragen werden.

Zink
Zink fördert die Bildung von Antikörpern und wirkt antiviral. Zur akuten Therapie empfiehlt sich eine Tagesdosis von 50mg oral. Zusätzlich gibt es ein topisches Präparat, das freie Zink-Ionen enthält. Diese Form der Behandlung zeigt jedoch nur bei frühzeitiger Anwendung, also beim ersten Spannungsgefühl, Erfolg. Zink-Ionen lagern sich an die Virushülle und verhindern so ein Anheften an die Wirtszelle. Um den Heilungsprozess zu fördern, werden im Krustenstadium fetthaltige Zinksalben empfohlen.

Praktische Bedeutung für Menschen mit Diabetes
Handlungsempfehlungen für Patienten:

  • Küssen verboten.... Herpes ist ansteckend! Besondere Vorsicht gilt im Umgang mit Säuglingen.
  • Kratzen Sie die Bläschen nicht auf, da über die Fingernägel andere Körperregionen infiziert werden können.
  • Pflegen Sie Ihre Lippen prophylaktisch mit fetthaltigen Stiften oder Salben.
  • Achten Sie auf ausgewogene und vitaminreiche Ernährung.
  • Meiden Sie intensive UV-Strahlung.
  • Benutzen Sie Wattestäbchen, um die Salbe aufzutragen.


Möglichkeiten der Krankheitsprävention:
Da Herpes-Infektionen immer ein Hinweis auf eine geschwächte Immunabwehr sind, sollte der Patient auf eine gesunde Lebensführung mit Bewegung, ausreichend Schlaf und einer gesunden Ernährung achten. Eine gute Richtschnur ist die Empfehlung, fünfmal pro Tag Obst und Gemüse zu essen.

Grenzen der Selbstmedikation:
Bei schweren Erscheinungsformen können außer den Lippen auch die Mundschleimhaut, der Naseneingang, Wangen, Ohrläppchen oder Augenlider betroffen sein. Begleitend beobachtet man bei den Patienten Fieber, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellungen. In seltenen Fällen kommt es zu einer Sekundärinfektion durch Staphylokokken oder Streptokokken. Treten die beschriebenen Komplikationen auf, ist dringend ein Arzt zu konsultieren.

Fazit:
Lippenherpes ist nicht nur lästig für den Betroffenen, man sollte die Viruserkrankung nicht unterschätzen. Für Diabetiker gilt: Die Therapie ist die gleiche wie für Nicht-Diabetiker. Bei schweren Verlaufsformen ist es jedoch doppelt wichtig, den Arzt aufzusuchen, da die Wundheilung bei vielen Diabetikern verzögert abläuft. Gerade Diabetiker, die schlecht eingestellt sind, sollten bei häufig wiederkehrenden Symptomen von Lippenherpes das Immunsystem stärken.


Weiterführende Literatur zum Thema Herpes:
  • Patientenmerkblatt der Universität Bochum Klinik für Dermatologie und Allergologie
  • Mutschler E. (2001): Arzneimittelwirkungen, 8. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart
  • Lennecke K. (2003): Selbstmedikation, 2. Auflage, Deutscher Apotheker Verlag Stuttgart
  • Wölbling, R. H.: Melisse plus LSF, Pharmazeutische Zeitung, 2005; 26
  • Lilie, H. M., Sawko, W. W.: Herpes zoster, Pharmazeutische Zeitung 2005; 20


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